Paracelsusquelle in Preblau

Der „Preblauer Sauerbrunn“ war bereits im Mittelalter bekannt und geschätzt. Das heilkräftige „saure Wasser“, das über einen natürlichen Gehalt an Kohlensäure verfügt, wurde schon im 13. Jahrhundert in tönernen Krügen bis nach Bamberg verschickt. An der bischöflichen Tafel war das prickelnde Was­ser aus Kärnten bald sehr beliebt. Weil die Gäste des Bischofs bemerkten, dass der Genuss des sauren Wassers Auswirkungen auf den Verlauf von Krankheiten hatte, erlebte das Preblauer Wasser bald einen ungeheuren Aufschwung. Es soll sogar in die großen deutschen Handelsstädte Augsburg und Würzburg verschickt worden sein.

Zwischen 1538 und 1540 soll auch der berühmte Arzt und Naturforscher Paracelsus den Preblauer Säuerling einer genaueren Untersuchung unterzogen und ihn als „heilkräftiges“ Wasser empfohlen haben. In späterer Zeit nannte man eine mächtige Buche in der Nähe des Brunnens „Paracelsusbuche“. Und noch heute ist das Wasser der alten „Paracelsusquelle“ weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.

Die erste auf naturwissenschaftlichen Grundlagen beruhende Analyse des Preblauer Wassers führte der Wiener Arzt und Botaniker Dr. Heinrich Johann von Crantz durch, der ein Schüler des berühmten Hofarztes Van Swieten war. Durch das positive Urteil des Experten beflügelt, fand das Preblauer Wasser auch am Kaiserhof dankbare Abnehmer.

Es war die Klagenfurterin Albine Farlatti, die die große wirtschaftliche Chance erkannte. Farlatti tat sich mit Dr. Dominik Bancalari, Dr. Alois Hussa und Josef Steinhäubl zusammen, gründete eine Gesellschaft und ersteigerte das gesamte Gut Preblau um rund 43.000 Gulden. Schon 1871 sollen 100.000 Flaschen Preblauer Wasser in alle Teile der Monarchie verschickt worden sein. 1879 waren es bereits doppelt so viel. 1892, als ein neues Brunnenhaus errichtet wurde, konnte man bereits auf die stolze Zahl von 1 Million verschickter Flaschen verweisen.

Aber auch der Bade- und Kurbetrieb in Preblau erlebte damals einen Aufschwung. Vor allem durch die Eisenbahnlinie zwischen Zeltweg und Wolfsberg, die 1900 eröffnet wurde, bot sich vielen Wienern die Möglichkeit, Preblau zu erreichen. Im Sommer wartete Tag für Tag ein Fiaker am Preblauer Bahnhof auf Gäste aus allen Teilen der Monarchie. Sogar Kriegsminister Franz Bilau-Rheidt zeigte sich von den Erfolgen einer Kur in Preblau so angetan, dass er seine Beamten veranlasst haben soll, für alle Militärspitäler Preblauer Mineralwasser zu bestellen. Weil der Bedarf unter diesen Voraussetzungen ständig weiter stieg, begann man bald darauf, eine zweite Quelle in der Auen in Flaschen abzufüllen.

Das Ende des Kurbetriebes kam erst, als das Ende der Donaumonarchie vor der Tür stand. Die zahlungskräftigen Gäste aus den großen Städten, die Preblau zu einem Nobelkurort gemacht hat­ten, blieben jetzt aus. Die Kuranstalt musste geschlossen werden, und die ehemaligen Kurhäuser begannen bald darauf zu verfallen. Das Preblauer Wasser aber, das sich in der Zwischenzeit zu einem der bekanntesten Mineral- und Heilwässer Europas entwickelt hatte, wird noch heute in alle Teile der Welt verschickt und trägt viel zum guten Ruf des Oberen Lavanttals bei.

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